98,1 Prozent Recyclingquote, 96,4 Prozent Rücklauf und 58,3 Prozent recyceltes PET in neuen Flaschen: die aktuelle GVM-Studie zeigt für 2025 Bestwerte im PET-Kreislauf auf ganzer Linie. Diese Zahlen sind das Ergebnis von 20 Jahren systematischer Arbeit der DPG Deutsche Pfandsystem GmbH.
Die DPG Deutsche Pfandsystem GmbH mit Sitz in Berlin organisiert das Einwegpfandsystem in Deutschland, das seit 2003 Getränkeverpackungen aus PET, Glas und Metall über ein Pfand zurückgibt. Sie legt verbindliche Standards fest, etwa für die eindeutige Kennzeichnung und Identifikation der Verpackungen, während Rücknahmeautomaten, Logistik, Zählung und Recycling von den Marktteilnehmern und ihren Dienstleistern organisiert werden. Zu den Systembeteiligten zählen Getränkehersteller und Importeure, Händler sowie Systempartner wie Clearing-Dienstleister, Automatenhersteller und Zertifizierer. Die DPG organisiert zudem den Pfandgeldausgleich zwischen den Systemteilnehmern.
In diesem Jahr feiert die DPG ein rundes Jubiläum: 2006, drei Jahre nach Einführung des Einwegpfands, hat das System mit der Gründung der DPG eine bundesweit einheitliche Grundlage erhalten. Zuvor existierte ein System mit unterschiedlichen Insellösungen. Heute ist das System die Basis, über die jährlich mehr als 20 Milliarden Einweggetränkeverpackungen laufen, bei Rücklaufquoten von 96 Prozent und mehr. „Hinter einer für Verbraucherinnen und Verbraucher selbstverständlichen Pfandrückgabe steht ein hochkomplexes Zusammenspiel vieler eigenständiger Unternehmen“, erklärt Susanne Kürschner, Geschäftsführerin der DPG Deutsche Pfandsystem GmbH. „Dass dieses Zusammenspiel seit 20 Jahren zuverlässig funktioniert, ist eine bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung.“
Was das deutsche Modell ausmacht, ist sein Organisationsprinzip. Die DPG betreibt selbst keine Rücknahmeautomaten, keine Logistik und kein Recycling, sondern setzt verbindliche Standards. „Wir standardisieren, was für ein einheitliches System notwendig ist, ohne sämtliche Prozesse zentral zu organisieren“, erklärt Kürschner. „Rücknahmeautomaten, Logistik, Zählung und Recycling werden von den Marktteilnehmern und ihren Dienstleistern organisiert. Auch der Pfandausgleich erfolgt direkt zwischen den beteiligten Unternehmen auf Basis gemeinsamer Standards.“ Jede bepfandete Verpackung lässt sich über die zentrale Produktregistrierung und die DPG-Sicherheitskennzeichnung eindeutig zuordnen. „So verbindet das deutsche Pfandsystem bundesweite Einheitlichkeit mit unternehmerischer Verantwortung und Wettbewerb“, ergänzt Susanne Kürschner.
Wie leistungsfähig dieses Zusammenspiel ist, belegt die aktuelle Studie „Aufkommen und Verwertung von PET-Getränkeflaschen in Deutschland 2025“ der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag des Forum PET:
-98,8 Prozent Erfassungsquote der PET-Getränkeflaschen über alle Wertstoffsysteme hinweg
-98,1 Prozent Recyclingquote – ein neuer Höchstwert
-96,4 Prozent Rücklaufquote bei bepfandeten PET-Flaschen
-56,6 Prozent des Recycling-Outputs flossen zurück in neue PET-Getränkeflaschen (Bottle-to-Bottle)
Der rPET-Anteil in der deutschen Produktion von Preforms und PET-Getränkeflaschen betrug 58,3 Prozent. Damit ist der Rezyklateinsatz deutlich über der seit 2025 geltenden EU-Vorgabe von 25 Prozent für Einweg-PET-Flaschen. Das Pfandsystem ist dafür die Voraussetzung: „Durch die hohen Rücklaufmengen und die getrennte Erfassung stehen große Mengen hochwertiger Materialien für das Recycling zur Verfügung“, sagt Susanne Kürschner. „Gerade bei PET ist das eine wichtige Voraussetzung, um aus gebrauchten Getränkeflaschen wieder neue Getränkeverpackungen herstellen zu können.“ Der Erfolg liegt deshalb nicht allein darin, möglichst viele Verpackungen zurückzubekommen, sondern darin, die Materialien auch tatsächlich für hochwertige Recyclingkreisläufe zu nutzen. Dr. Thomas Struppert, Vorsitzender des Forum PET, ordnet das so ein: „Das Recycling von PET-Getränkeflaschen ist seit Jahren ein Leuchtturm der industriellen Transformation. Es zeigt, was möglich ist, wenn Industrie und Politik zusammen gestalten können.“
„Das Pfandprinzip ist einfach und funktioniert im Alltag“, berichtet Kürschner. „Der finanzielle Anreiz ist dabei durchaus wichtig, gerade die 25 Cent bei Einweggetränkeverpackungen sind spürbar.“ Hinzu komme die Infrastruktur: „Entscheidend ist dabei auch, dass Verbraucher ihre Verpackungen an vielen Rücknahmestellen zurückgeben können, unabhängig davon, wo sie ursprünglich gekauft wurden.“
Rücknahmeautomaten müssen Verpackungen in Sekundenbruchteilen zuverlässig erkennen. „Moderne Bildverarbeitung und Sensorik eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, diese Erkennungsprozesse weiter zu verbessern“, erläutert Susanne Kürschner. „Auch über die Rücknahmeautomaten hinaus bieten Digitalisierung, Automatisierung und KI interessante Möglichkeiten, große Datenmengen effizienter zu verarbeiten, Abläufe zu optimieren und die Weiterentwicklung des Systems zu unterstützen.“ Neue Ansätze wie 2D-Codes müssen sich dabei an einem Maßstab messen lassen: Entscheidend ist dabei, welchen konkreten Beitrag neue Technologien zur Effizienz und langfristigen Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems leisten.
Während Deutschland 20 Jahre DPG feiert, stehen viele europäische Länder erst am Anfang: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verlangt, dass bis Anfang 2029 alle Mitgliedstaaten mindestens 90 Prozent der Einweg-Kunststoffflaschen und Metalldosen getrennt erfassen. Einige Erfolgsfaktoren des DPG lassen sich gut übertragen, wie beispielsweise eine einfache Rückgabe für Verbraucher, die eindeutige Identifikation der Verpackungen, verbindliche Standards und klar geregelte Verantwortlichkeiten. Die konkrete Ausgestaltung muss dagegen an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden, denn Pfandhöhe, Handelsstrukturen, Logistik, bestehende Infrastruktur und Marktverhältnisse unterschieden sich von Land zu Land. Entscheidend ist deshalb weniger die Organisationsform als das Zusammenspiel aller Beteiligten und eine Systemgestaltung, die zu den jeweiligen Marktbedingungen passt.
Mehr als 20 Milliarden zurückgegebene Verpackungen pro Jahr und eine Recyclingquote von 98,1 Prozent sind beeindruckenden Zahlen, aber kein Grund, sich auszuruhen. „Unser Anspruch ist es deshalb, nicht einfach ein erfolgreiches System zu verwalten, sondern seine Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern und die Voraussetzungen für die nächste Entwicklungsstufe zu schaffen“, resümiert Susanne Kürschner.
Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit Susanne Kürschner.
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